Lacklaborant EFZ: Hightech-Beruf zwischen Chemie und Anwendung
von belmedia Redaktion Allgemein Industrie News News
Lacklaboranten EFZ entwickeln, prüfen und verbessern moderne Beschichtungen. Von Autolack bis Holzschutz – sie verbinden Formulierung, Farbe und Funktion.
Dieser Beruf vereint wissenschaftliches Denken mit praxisnaher Anwendung. In Laboren, Versuchsanlagen und Beschichtungsräumen entstehen Lacke für Möbel, Metall, Maschinen und Architektur.
Was macht ein Lacklaborant EFZ?
Lacklaboranten mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) arbeiten an der Schnittstelle zwischen Chemie, Technik und Industrie. Sie entwickeln neue Rezepturen, testen bestehende Produkte, analysieren physikalische Eigenschaften und optimieren Verarbeitbarkeit. Ihr Ziel: funktionierende, haltbare und normgerechte Lacksysteme für vielfältige Anwendungen.
- Herstellen von Lackproben gemäss Rezepturen
- Durchführen physikalischer Tests: Glanz, Haftung, Härte
- Untersuchen von Alterungs-, Wetter- und Abriebbeständigkeit
- Analysieren von Rohstoffen, Pigmenten und Lösungsmitteln
Der Alltag wechselt zwischen Hightech-Labor, Anwendungstechnik und Prüfstand. Besonders spannend ist die enge Verbindung zu aktuellen Trends: emissionsarme Beschichtungen, Oberflächenhaptik, Automatisierung oder funktionale Zusatzwirkungen wie Antibakteriell, kratzfest oder UV-stabil.
Die Ausbildung dauert vier Jahre im dualen System. Neben der praktischen Arbeit im Ausbildungsbetrieb besuchen Lernende die Berufsfachschule. Dort stehen Chemie, Werkstoffkunde, Analysetechnik, Farblehre, Umwelttechnik und Informatik auf dem Stundenplan.
Zusätzlich gibt es überbetriebliche Kurse – etwa zu Laborsicherheit, Testmethoden oder Maschinenbedienung. Auch berufsbezogenes Englisch ist Bestandteil, da viele Formulierungen, Dokumentationen und Softwarelösungen international standardisiert sind.
Lacklaboranten lernen den gesamten Produktkreislauf kennen:
- Auswahl und Mischung der Rohstoffe (Harze, Pigmente, Additive)
- Dispergieren, Emulgieren und Stabilisieren von Lacken
- Applizieren auf Prüfträgern mit Walze, Spritzpistole oder Tauchverfahren
- Testen von physikalischen, chemischen und optischen Eigenschaften
Dabei wird auf hohe Präzision geachtet – oft im Mikrogrammbereich. Jedes Gramm zu viel oder zu wenig beeinflusst Glanz, Verlauf oder Härte. Auch Klimabedingungen wie Luftfeuchtigkeit oder Raumtemperatur werden berücksichtigt.
Neben der Laborarbeit gehört auch die Dokumentation zu den Aufgaben. Versuchsprotokolle, Messreihen und Testresultate werden digital erfasst, ausgewertet und grafisch dargestellt. Dazu kommt der Vergleich mit Normwerten – etwa nach ISO, DIN oder firmeninternen Standards.
Viele Lacklaboranten arbeiten in diesen Bereichen:
- Industriebetriebe der Lack- und Farbenherstellung
- Forschungs- und Entwicklungsabteilungen
- Prüflabore, Materialinstitute oder Zertifizierungsstellen
- Beschichtungsunternehmen im Bereich Automobil, Luftfahrt, Möbel oder Metallbau
Zunehmend gefragt sind Kenntnisse in Nachhaltigkeit: umweltfreundliche Rezepturen, Lösemittelreduktion, Recyclingfähigkeit und VOC-arme Lacke sind Standardthemen. Auch Nanotechnologie, Korrosionsschutz oder Haptik spielen eine wachsende Rolle.
Der Beruf hat viele Vorteile:
- abwechslungsreicher Mix aus Labor, Anwendung und Technik
- gute Arbeitszeiten, strukturierte Prozesse, klare Aufstiegsmöglichkeiten
- vielfältige Einsatzbereiche von Möbelindustrie bis Automobil
- solide Berufsperspektiven – auch international
Nach abgeschlossener Lehre bieten sich zahlreiche Weiterbildungen an:
- Berufsprüfung als Chemietechnologe mit Fachausweis
- Höhere Fachprüfung als dipl. Techniker/in Chemie HF
- Fachhochschulstudium in Materialwissenschaften, Chemie oder Oberflächentechnik
- Spezialisierungen in Richtung Qualitätsmanagement, Umwelttechnik oder Entwicklung
Auch eine Weiterbildung zum Applikationstechniker, Projektleiter oder Labormanager ist möglich. Wer Interesse hat, kann zudem international tätig sein – viele Schweizer Lackhersteller sind global vernetzt.
Der Beruf ist ideal für technikinteressierte, logisch denkende Menschen mit Affinität zu Chemie und Gestaltung. Besonders spannend: das Zusammenwirken von wissenschaftlicher Analyse, kreativer Formulierung und praktischer Anwendung auf Oberflächen aller Art.
Die Arbeit geschieht meist im Team, oft unter Zeitdruck und immer mit dem Anspruch auf Genauigkeit. Kleinste Änderungen im Rezept können sichtbare Unterschiede im Lackbild erzeugen – was Erfahrung, Geduld und Testreihen erfordert.
Wer sich für diesen Beruf interessiert, kann über ein Berufspraktikum oder einen Schnuppertag Einblick gewinnen. Ausbildungsbetriebe sind meist Lack- und Farbhersteller mit Labor- und Anwendungseinrichtungen. Gute Noten in Mathematik, Chemie und Physik sind von Vorteil.
In Zeiten ökologischen Bauens und neuer Werkstoffe wird der Bedarf an funktionalen, langlebigen und umweltfreundlichen Beschichtungen weiter steigen – und mit ihm der Bedarf an qualifizierten Lacklaboranten.
Ein Beruf mit Substanz, Hightech und Handwerk – im Dienst der Oberfläche.
Quelle: handwerker24.ch-Redaktion
Bildquellen: Bild 1: => Symbolbild © Gorodenkoff/Shutterstock.com; Bild 2: => Symbolbild © SeventyFour/Shutterstock.com