Lithium-Akkus zu Hause sicher laden: Brände bei E-Bikes und Geräten verhindern
von belmedia Redaktion -schweizweit Allgemein Alltag Elektro Elektronik Garten Handel handwerker24.ch Haus, Garten & Einrichtung Haushalt haushaltsapparate.net Haushaltsgeräte hometipp.ch Inspiration Lifestyle Magazine Nachhaltigkeit nachrichtenticker.ch News Prävention Regionen Sicherheit Technik Themen Tipps Trends Verbreitung Zubehör
Vom Smartphone über den Akkuschrauber bis zum E-Bike: Lithium-Ionen-Akkus versorgen immer mehr Geräte mit Energie. Bei sachgemässer Verwendung sind moderne Akkus zuverlässig. Beschädigungen, ungeeignete Ladegeräte, starke Hitze oder ein falscher Ladeplatz können jedoch einen Brand auslösen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Ladevorgang. Dabei fliesst Energie in die Zellen und vorhandene Defekte können sich bemerkbar machen. Ein geeigneter Ladeplatz, geprüfte Komponenten und regelmässige Sichtkontrollen senken das Risiko erheblich. Ebenso wichtig ist es, Warnzeichen ernst zu nehmen und beschädigte Akkus nicht weiterzuverwenden.
Warum Lithium-Ionen-Akkus anders brennen
Lithium-Ionen-Akkus speichern im Verhältnis zu ihrer Grösse viel Energie. Im Inneren befinden sich mehrere Zellen, ein Elektrolyt sowie dünne Trennschichten zwischen den elektrisch aktiven Bestandteilen. Eine elektronische Steuerung überwacht bei hochwertigen Akkus unter anderem Spannung, Temperatur und Ladezustand.
Wird eine Zelle beschädigt, überhitzt oder falsch geladen, kann ein interner Kurzschluss entstehen. Die dabei freigesetzte Wärme beschleunigt weitere chemische Reaktionen. Unter ungünstigen Umständen entwickelt sich daraus ein sogenanntes thermisches Durchgehen. Die Temperatur steigt dann innerhalb kurzer Zeit stark an und benachbarte Zellen können ebenfalls reagieren.
Ein solcher Vorgang kann mit Zischen, Knacken, Rauch, Stichflammen und einer heftigen Wärmeentwicklung verbunden sein. Die entstehenden Brandgase sind gesundheitsschädlich. Zudem besteht die Möglichkeit, dass sich ein bereits abgekühlter Akku erneut entzündet.
Das Risiko steigt mit dem Energieinhalt. Ein kleiner Kopfhörer-Akku enthält wesentlich weniger Energie als der Akku eines E-Bikes. Nach Angaben der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen liegt der typische Energieinhalt eines Elektrowerkzeug-Akkus bei ungefähr 0,2 Kilowattstunden. Bei einem E-Bike sind etwa 0,5 bis 1 Kilowattstunde möglich.
Diese Ursachen können einen Akkubrand auslösen
Ein Akku gerät normalerweise nicht ohne vorausgehenden Defekt oder eine ungünstige äussere Einwirkung in Brand. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen:
- mechanische Beschädigung durch einen Sturz, Aufprall oder starken Druck,
- Überhitzung durch Sonne, Heizkörper oder mangelnde Luftzirkulation,
- ungeeignete oder beschädigte Ladegeräte und Kabel,
- Feuchtigkeit oder eingedrungenes Wasser,
- Überladung oder Tiefentladung bei fehlerhafter Schutztechnik,
- unsachgemässe Reparaturen und Veränderungen an Akku oder Gerät,
- altersbedingte Defekte einzelner Zellen.
Ein funktionierendes Batteriemanagementsystem schützt vor zahlreichen Fehlzuständen. Es kann einen mechanisch beschädigten Akku jedoch nicht wieder sicher machen. Ebenso wenig gleicht es ein falsches Ladegerät oder manipulierte Komponenten zuverlässig aus.
Nur passende Ladegeräte und Akkus verwenden
Akku und Ladegerät bilden ein abgestimmtes System. Spannung, Ladestrom, Temperaturüberwachung und Kommunikation müssen zusammenpassen. Dass ein fremder Stecker mechanisch in die Buchse passt, bedeutet nicht, dass das Ladegerät technisch geeignet ist.
Am sichersten ist das vom Hersteller mitgelieferte oder ausdrücklich freigegebene Ladegerät. Wird Ersatz benötigt, müssen Modellbezeichnung und Freigabe kontrolliert werden. Das gilt besonders für E-Bikes, E-Scooter, Elektrowerkzeuge und Modellbau-Akkus.
Auffällig günstige Nachbauten können minderwertige Zellen oder unzureichende Schutzschaltungen enthalten. Auch gebrauchte E-Bike-Akkus mit unbekannter Vorgeschichte sind kritisch zu beurteilen. Ein seriöser Fachhändler kann Angaben zu Herkunft, Kompatibilität, Alter und Zustand machen.
Von Adaptern, selbst gebauten Kabeln und Eingriffen in die Elektronik ist abzusehen. Auch das Öffnen eines Akkugehäuses gehört in die Hände eines entsprechend ausgerüsteten Fachbetriebs. Beschädigte Zellen dürfen weder zusammengelötet noch einzeln ausgetauscht werden.
Wer mehrere akkubetriebene Werkzeuge verwendet, profitiert von einem einheitlichen System. Der Beitrag über moderne Akkugeräte und ihre Ladeelektronik erklärt, wie Akkuplattformen, Schutzfunktionen und Ladegeräte zusammenspielen.
Den richtigen Ladeplatz einrichten
Ein sicherer Ladeplatz befindet sich auf einer stabilen, nicht brennbaren Unterlage. Geeignet sind beispielsweise Stein-, Keramik- oder Betonflächen. Sofa, Bett, Teppich, Karton, Holzspäne und Stapel mit Papier sind keine geeignete Umgebung.
Rund um Akku und Ladegerät muss genügend Platz bleiben, damit Wärme entweichen kann. Lüftungsschlitze dürfen nicht verdeckt werden. Ladegeräte gehören deshalb nicht unter Kleidungsstücke, Decken oder Werkzeugtaschen.
Für den Ladeplatz gelten sieben grundlegende Regeln:
- Akku und Ladegerät vor jedem Ladevorgang kurz kontrollieren.
- Eine nicht brennbare und trockene Unterlage verwenden.
- Papier, Textilien, Treibstoffe und andere brennbare Materialien entfernen.
- Akku nicht in direkter Sonne oder neben einer Heizung laden.
- Luftöffnungen am Gerät und Ladegerät freihalten.
- Den Ladevorgang nicht über Nacht oder bei Abwesenheit durchführen.
- Nach Abschluss das Ladegerät vom Stromnetz trennen, sofern der Hersteller nichts anderes vorsieht.
Die Beratungsstelle für Brandverhütung empfiehlt eine Umgebungstemperatur zwischen 10 und 30 Grad Celsius. Ein kalter Akku aus Garage, Keller oder Fahrzeug sollte sich zunächst an die Raumtemperatur anpassen. Ein noch heisser Akku aus einem intensiv genutzten Werkzeug oder E-Bike muss vor dem Laden ebenfalls abkühlen.
E-Bike- und E-Scooter-Akkus brauchen besonders viel Platz
Die Akkus von E-Bikes und E-Scootern enthalten wesentlich mehr Energie als Smartphone- oder Kopfhörer-Akkus. Ihr Ladeplatz verdient deshalb besondere Aufmerksamkeit. Treppenhäuser, Korridore und Wohnungseingänge sind ungeeignet, weil ein Brand den Fluchtweg versperren könnte.
Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen empfiehlt, Ladestationen für elektrische Kleinstfahrzeuge nicht in Flucht- und Rettungswegen einzurichten. Geeigneter ist beispielsweise ein dafür vorgesehener Veloraum ohne unnötige Brandlasten. Vorgaben der Hausverwaltung und der kantonalen Brandschutzbehörde sind zu beachten.
Wurde das E-Bike gestürzt oder der Akku fallen gelassen, wird er vor dem nächsten Ladevorgang sorgfältig kontrolliert. Dellen, Risse, lockere Gehäuseteile und beschädigte Anschlüsse erfordern eine Prüfung durch den Fachhandel. Auch ohne sichtbare Spuren kann eine starke mechanische Belastung Schäden im Inneren verursachen.
Nach einer nassen Fahrt werden die vom Hersteller vorgesehenen Anschlüsse vorsichtig getrocknet. Ein Akku mit Verdacht auf eingedrungenes Wasser darf nicht aufgeladen werden. Hochdruckreiniger sind für Akku, Motor und elektrische Anschlüsse ungeeignet.
Smartphones, Tablets und Notebooks nicht im Bett laden
Kleine Geräte werden häufig dort geladen, wo sie gerade benutzt wurden. Auf einem Bett, Sofa oder Sessel kann sich die Wärme jedoch stauen. Ein Smartphone unter dem Kopfkissen wird zusätzlich von brennbaren Textilien umgeben und bleibt im Ernstfall lange unbemerkt.
Das Gerät liegt während des Ladens besser frei auf einem festen Nachttisch, Schreibtisch oder einer anderen geeigneten Fläche. Ladebuchse, Kabel und Netzteil müssen unbeschädigt sein. Wird ein Stecker ungewöhnlich heiss, sitzt er locker oder zeigt das Kabel gebrochene Stellen, wird das Zubehör ersetzt.
Bei einem Notebook bleiben die Lüftungsöffnungen frei. Weiche Unterlagen können die Kühlung behindern. Eine ungewöhnlich kurze Laufzeit, ein hochgedrücktes Touchpad oder ein sich öffnendes Gehäuse kann auf einen aufgeblähten Akku hinweisen.
Werkzeug- und Gartenakkus nicht zwischen Brennstoffen laden
Werkstätten, Garagen und Gartenhäuser enthalten häufig Holzstaub, Kartons, Farben, Lösungsmittel, Benzin oder Gasflaschen. Genau diese Umgebung kann einen zunächst begrenzten Akkudefekt zu einem ausgedehnten Brand werden lassen.
Werkzeugakkus werden deshalb an einem aufgeräumten, trockenen Platz geladen. Die Ladestation darf nicht von Schleifstaub, Spänen oder anderen Ablagerungen bedeckt sein. Mehrere Schnellladegeräte sollten nicht wahllos an zusammengesteckten Mehrfachsteckdosen betrieben werden.
Nach starker Belastung darf der Akku zunächst abkühlen. Das gilt beispielsweise nach dem Einsatz in einem Rasenmäher, Winkelschleifer oder Laubbläser. Verweigert das Ladegerät wegen einer zu hohen Temperatur den Start, darf die Schutzfunktion nicht umgangen werden.
Warnzeichen eines defekten Akkus erkennen
Veränderungen am Akku sind ernst zu nehmen. Ein Defekt kann sich allmählich entwickeln oder kurz nach einem Sturz auftreten. Typische Warnzeichen sind:
- Aufblähungen, Verformungen, Risse oder deutliche Dellen,
- ungewöhnlich starke Erwärmung beim Laden oder Benutzen,
- stechender, chemischer oder süsslicher Geruch,
- Zischen, Knacken, Rauch oder austretende Flüssigkeit,
- verschmorte Kontakte und verfärbte Gehäuseteile,
- wiederholte Ladeabbrüche oder Fehlermeldungen,
- ein plötzlicher und ungewöhnlich starker Kapazitätsverlust.
Ein aufgeblähter Akku wird nicht zusammengedrückt oder angestochen. Ebenso wenig darf ein gewölbtes Smartphonegehäuse mit Gewalt geschlossen werden. Das Gerät wird ausgeschaltet und nicht mehr geladen. Für die weitere Behandlung ist eine Fachstelle oder eine bediente Sammelstelle zu kontaktieren.
Was bei Rauch, Zischen oder Feuer zu tun ist
Wird ein Akku rasch heiss, zischt er oder tritt Rauch aus, kann sich die Situation innerhalb kurzer Zeit verschärfen. Eigene Rettungsversuche dürfen Menschen und Tiere nicht zusätzlich gefährden. Ein rauchender oder brennender Akku wird nicht mit blossen Händen angefasst und nicht durch die Wohnung getragen.
Im Ernstfall gilt:
- Personen und Tiere warnen und aus dem Gefahrenbereich bringen.
- Den Raum verlassen und die Tür schliessen, sofern dies gefahrlos möglich ist.
- Die Feuerwehr über die Schweizer Notrufnummer 118 alarmieren.
- Auf einen Lithium-Ionen-Akku und dessen Standort hinweisen.
- Brandgase nicht einatmen und nicht in einen verrauchten Raum zurückkehren.
- Fluchtwege freihalten und die Feuerwehr einweisen.
- Eigene Löschversuche nur bei einem Entstehungsbrand und ohne Selbstgefährdung unternehmen.
Ein Akku kann sich nach einer scheinbaren Beruhigung erneut entzünden. Über die Bergung, Kühlung und sichere Zwischenlagerung eines brandgeschädigten Energiespeichers entscheidet deshalb die Feuerwehr. Das Gerät gehört nach einem solchen Ereignis nicht zurück in die Wohnung.
Rauchmelder verkürzen die Zeit bis zur Entdeckung. Die Beratungsstelle für Brandverhütung empfiehlt ausdrücklich, Rauchmelder in Räumen anzubringen, in denen Akkus geladen werden. Das ist besonders wichtig, wenn grössere Energiespeicher regelmässig im Haus verwendet werden.
Allgemeine Hinweise zur Alarmierung und Evakuierung enthält der Beitrag über das richtige Verhalten bei einem Brand.
Akkus bei längerer Pause richtig lagern
Ein unbenutzter Akku sollte weder monatelang vollständig geladen noch vollkommen leer gelagert werden. Die Beratungsstelle für Brandverhütung empfiehlt für längere Nutzungspausen einen ungefähr halb vollen Ladezustand. Die Bedienungsanleitung kann für das jeweilige Akkusystem genauere Werte vorgeben.
Der Lagerort ist trocken, kühl und vor direkter Sonne geschützt. Akkus gehören nicht auf Heizkörper, Fensterbänke oder in ein stark aufgeheiztes Fahrzeug. Temperaturen von mehr als 60 Grad Celsius sind nach den Empfehlungen der BFB unbedingt zu vermeiden.
Bei längerer Nichtbenutzung wird ein herausnehmbarer Akku vom Gerät getrennt. Kontakte sind vor Metallteilen zu schützen, damit kein Kurzschluss entsteht. Lose Akkus werden nicht gemeinsam mit Schrauben, Münzen oder Werkzeug in einer Schublade aufbewahrt.
Der Ladezustand wird während einer mehrmonatigen Winterpause entsprechend den Herstellerangaben kontrolliert. Ein vollständig entladener und lange gelagerter Akku kann tiefentladen sein. Beim späteren Wiederaufladen besteht ein erhöhtes Risiko. Verweigert das Ladegerät die Ladung, darf der Akku nicht mit improvisierten Methoden „wiederbelebt“ werden.
Beschädigte und ausgediente Akkus richtig entsorgen
Lithium-Ionen-Akkus gehören niemals in den Hauskehricht. In Kehrichtfahrzeugen und Sortieranlagen können sie zusammengedrückt oder durchbohrt werden und einen Brand auslösen. Auch kleine Einweg-E-Zigaretten, elektrische Zahnbürsten, Spielzeuge und Kopfhörer können Lithium-Akkus enthalten.
In der Schweiz können Batterien und Akkus kostenlos an Verkaufs- und Sammelstellen zurückgegeben werden. Ein Neukauf ist dafür nicht erforderlich. INOBAT nennt schweizweit mehr als 11’000 Rückgabemöglichkeiten.
Für unterschiedliche Produkte gilt:
- Intakte Kleinakkus kommen in die dafür vorgesehene Batteriesammlung.
- E-Bike-Akkus können beim Fachhandel oder bei geeigneten Gemeindesammelstellen abgegeben werden.
- Geräte mit fest verbautem Akku werden vollständig beim Händler oder in der Elektroniksammlung zurückgegeben.
- Beschädigte, verformte oder aufgeblähte Akkus gehören ausschliesslich zu einer bedienten Sammelstelle.
- Vor dem Transport eines auffälligen grossen Akkus wird die Annahmestelle kontaktiert.
Nach den Hinweisen von INOBAT sollen bei entnehmbaren beschädigten Akkus die Pole gegen Kurzschluss gesichert werden. Die konkrete Verpackung und der Transportweg werden am besten vorab mit der bedienten Sammelstelle abgestimmt. Ein heisser, rauchender oder zischender Akku darf nicht selbst transportiert werden; in diesem Fall ist die Feuerwehr zu alarmieren.
Video-Tipp: Brandgefahren durch Akkus vermeiden
Das deutschsprachige Video zeigt, welche Fehler bei E-Bike- und Geräteakkus zu Bränden führen können. An praktischen Beispielen wird erklärt, worauf es beim Laden, Lagern und Kontrollieren ankommt.
Fazit
Lithium-Ionen-Akkus lassen sich zu Hause sicher verwenden, wenn Herstellerangaben, Temperaturgrenzen und grundlegende Brandschutzregeln eingehalten werden. Entscheidend sind ein passendes Ladegerät, eine nicht brennbare Unterlage, genügend Luftzirkulation und Abstand zu brennbaren Gegenständen.
Der Ladevorgang findet tagsüber und bei Anwesenheit statt. Nach Stürzen, bei Aufblähungen, starker Wärmeentwicklung oder ungewöhnlichem Geruch wird der Akku nicht weiter benutzt. Gerät ein Akku in Brand oder beginnt er heftig zu rauchen, stehen die Rettung von Menschen und Tieren sowie der Notruf 118 an erster Stelle. Ausgediente und beschädigte Akkus werden kostenlos über die vorgesehenen Schweizer Rückgabestellen entsorgt.
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