Fliesen sicher bohren: So entstehen saubere Löcher ohne Risse und Abplatzungen
von belmedia Redaktion -schweizweit Allgemein Alltag Bad Bau bauenaktuell.ch DIY Elektro Elektronik elterntipps.ch Garten handwerker24.ch Haus Haus, Garten & Einrichtung Heimwerken hometipp.ch Inspiration Konzeption Küche Magazine nachrichtenticker.ch News Regionen Renovation Renovieren Sanierung Sanitär Sicherheit Technik Themen Tipps Trends Verbreitung wohnenaktuell.ch
Ein Handtuchhalter, ein Spiegelschrank oder eine neue Duschstange ist schnell montiert – sofern die Fliese beim Bohren heil bleibt. Entscheidend sind ein geeigneter Bohrer, eine niedrige Drehzahl und eine ruhige Arbeitsweise. Die Schlagfunktion bleibt zunächst ausgeschaltet.
Vor dem ersten Bohrloch muss zudem geklärt werden, was hinter der Fliese liegt. Stromleitungen und Wasserrohre machen einen unüberlegten Bohrversuch gefährlich. Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Fliesen möglichst sauber und sicher durchbohren.
Warum Fliesen beim Bohren springen können
Fliesen besitzen eine harte, häufig glasierte Oberfläche. Gleichzeitig reagieren sie empfindlich auf punktuelle Belastungen, starke Vibrationen und Hitze. Wird der Bohrer mit zu viel Druck angesetzt, kann sich ein feiner Riss durch die gesamte Fliese ziehen.
Auch Hohlräume unter dem Belag erhöhen das Risiko. Sitzt eine Fliese nicht vollflächig im Kleber, kann sie dem Bohrdruck weniger gut standhalten. Ein vorsichtiger Klopftest gibt erste Hinweise: Klingt eine Stelle deutlich hohler als die Umgebung, sollte dort möglichst nicht gebohrt werden.
Weitere häufige Ursachen für Schäden sind:
- eine eingeschaltete Schlag- oder Hammerfunktion;
- ein ungeeigneter oder stumpfer Bohrer;
- eine zu hohe Drehzahl;
- fehlende Kühlung bei dafür vorgesehenen Bohrern;
- ein schräg oder unruhig geführtes Werkzeug;
- ein Bohrloch nahe am Rand oder an einer Ecke.
Zuerst prüfen, was hinter der Fliese liegt
In Küchen und Badezimmern verlaufen zahlreiche Strom- und Wasserleitungen. Ihre Position lässt sich von aussen nicht zuverlässig erkennen. Installationszonen und die Lage sichtbarer Anschlüsse geben Hinweise, ersetzen jedoch keine Prüfung.
Scannen Sie den Bereich grossflächig mit einem geeigneten Ortungsgerät. Berücksichtigen Sie dabei die Bedienungsanleitung: Manche Geräte erkennen stromführende Leitungen besser, solange die Leitung unter Spannung steht. Erst nach der Ortung wird der betroffene Stromkreis ausgeschaltet und gegen unbeabsichtigtes Wiedereinschalten gesichert.
Ortungsgeräte haben Grenzen. Wandaufbau, Feuchtigkeit, Metallprofile oder eng beieinanderliegende Leitungen können das Ergebnis beeinflussen. Bleiben Zweifel, gehört die Arbeit in die Hände einer Fachperson. Die Suva warnt ausdrücklich davor, vor dem Bohren ungeprüft von einem leitungsfreien Bereich auszugehen.
Der Bohrer muss zur Fliese passen
Steingutfliesen sind vergleichsweise weich. Hier genügt häufig ein spezieller Glas- und Fliesenbohrer mit speerförmiger Hartmetallspitze. Bosch weist bei seinem Schweizer Produktsortiment darauf hin, dass bestimmte Glas- und Fliesenbohrer mit Kühlwasser verwendet werden müssen.
Steinzeug ist dichter und widerstandsfähiger. Für sehr harte Fliesen aus Feinsteinzeug empfiehlt sich meist ein Diamantbohrer oder eine Diamantbohrkrone. Naturstein verlangt ebenfalls ein Werkzeug, das ausdrücklich für das jeweilige Material freigegeben ist.
Ein gewöhnlicher Steinbohrer eignet sich vor allem für den Untergrund hinter der Fliese. Direkt auf einer harten Glasur rutscht er leichter ab und kann Abplatzungen verursachen.
Falls Sie Material, Aufbau oder Härte der vorhandenen Fliesen nicht kennen, testen Sie das Werkzeug an einem Reststück. Weitere Grundlagen zu Fliesen und Untergründen erklärt der Beitrag über das fachgerechte Verlegen von Fliesen.
Bohrstelle markieren und Abrutschen verhindern
Messen Sie die Position sorgfältig aus. Bei Halterungen mit mehreren Befestigungspunkten helfen Wasserwaage und Bohrschablone. Ein versehentlich versetztes Loch lässt sich in einer Fliese nur schwer unauffällig korrigieren.
Kleben Sie Malerkrepp über die Bohrstelle und übertragen Sie die Markierung auf das Band. Seine raue Oberfläche gibt dem Bohrer beim Ansetzen etwas mehr Halt. Noch sicherer arbeitet eine passende Bohrführung oder Schablone.
Auf kräftiges Ankörnen mit Hammer und Nagel sollte besser verzichtet werden. Ein Schlag auf die Glasur kann bereits vor dem Bohren einen unsichtbaren Haarriss verursachen.
Wählen Sie den Bohrpunkt nach Möglichkeit mit Abstand zu Kanten und Ecken. Eine Fuge ist nicht automatisch die bessere Lösung. Ist sie schmal, kann der Bohrer beide angrenzenden Fliesen beschädigen. Für schwere Gegenstände muss die Befestigung ohnehin sicher im tragfähigen Untergrund sitzen.
Schritt für Schritt durch die Fliese bohren
Setzen Sie eine Schutzbrille auf. Kleine Splitter können sich lösen, selbst wenn die Arbeit vorsichtig ausgeführt wird. Sorgen Sie zudem für einen stabilen Stand und eine gut beleuchtete Arbeitsstelle.
Gehen Sie anschliessend folgendermassen vor:
- Schlagfunktion ausschalten: Kontrollieren Sie die Maschineneinstellung, bevor der Bohrer die Fliese berührt.
- Niedrige Drehzahl wählen: Beginnen Sie langsam. Hohe Geschwindigkeit erzeugt unnötige Wärme und erschwert die Kontrolle.
- Bohrer ruhig ansetzen: Mit einer Führung wird das Werkzeug rechtwinklig zur Oberfläche gehalten. Einige Diamantbohrkronen werden nach Herstellerangabe zunächst leicht schräg angesetzt. Massgebend ist immer die Anleitung des verwendeten Systems.
- Wenig Druck ausüben: Der Bohrer soll das Material abtragen. Starker Druck erhöht die Gefahr von Rissen.
- Temperatur kontrollieren: Legen Sie Pausen ein und kühlen Sie den Bohrer so, wie es der Hersteller verlangt.
- Nach der Fliese wechseln: Sobald die Fliese durchbohrt ist, wird für Mauerwerk oder Beton ein geeigneter Stein- beziehungsweise Betonbohrer verwendet.
Erst im tragfähigen mineralischen Untergrund darf die Schlagfunktion zugeschaltet werden – und nur dann, wenn Bohrmaschine, Bohrer und Baustoff dafür geeignet sind. Bei Porenbeton, Gipsplatten oder Hohlsteinen gelten andere Anforderungen.
Kühlen, ohne ein elektrisches Risiko zu schaffen
Ob Wasser benötigt wird, hängt vom Bohrer ab. Manche Diamantwerkzeuge sind für trockenes Bohren ausgelegt oder enthalten eine integrierte Wachskühlung. Andere Bohrer müssen während der Arbeit mit Wasser gekühlt werden.
Improvisiertes Giessen oder Spritzen neben einer laufenden kabelgebundenen Bohrmaschine ist keine gute Lösung. Verwenden Sie ein dafür vorgesehenes Kühlsystem und bevorzugen Sie ein geeignetes Akkugerät. Wasser darf weder in die Maschine noch in Steckdosen, Schalter oder offene elektrische Anschlüsse gelangen.
Soll der Bohrer zwischendurch manuell gekühlt werden, stoppen Sie die Maschine und nehmen Sie das Werkzeug aus dem Bohrloch. Beachten Sie auch dabei die Herstellerangaben.
Grosse Löcher und besonders harte Fliesen
Für Rohrdurchführungen, Armaturen oder Steckdosenausschnitte werden grössere Diamantbohrkronen benötigt. Freihändiges Ansetzen ist anspruchsvoll. Eine Führungsschablone reduziert das Risiko, dass die Krone über die Oberfläche wandert.
Bei sehr teuren Fliesen, unbekanntem Naturstein oder deutlich hohl klingendem Untergrund kann ein einzelner Fehlversuch hohe Folgekosten verursachen. In solchen Fällen lohnt sich eine professionelle Ausführung.
Der Dübel hält im Untergrund – nicht in der Fliese
Nach dem Bohren muss die Befestigung zum Wandaufbau und zum Gewicht des Gegenstands passen. Ein leichter Seifenspender stellt andere Anforderungen als ein grosser Spiegelschrank oder ein Haltegriff.
Die Fliese trägt die Last nicht. Entscheidend ist der Untergrund dahinter. Beton, Vollstein, Lochstein und Gipskarton benötigen unterschiedliche Dübel. Der Ratgeber über den richtigen Dübel für verschiedene Untergründe hilft bei der Auswahl.
Schlagen Sie den Dübel nicht mit grosser Kraft durch die Fliese. Er muss durch das Bohrloch passen und im Untergrund greifen. Ziehen Sie die Schraube kontrolliert an. Übermässiges Drehmoment kann Spannungen erzeugen und die Fliese noch nachträglich beschädigen.
Fliesen in einer Mietwohnung bohren
Nach Angaben des Schweizer Mieterinnen- und Mieterverbands gehören einzelne Dübellöcher grundsätzlich zu den kleineren Veränderungen, sofern dadurch kein Schaden entsteht und sich die Massnahme leicht rückgängig machen lässt.
Bei Fliesen ist trotzdem Zurückhaltung sinnvoll. Ein Loch in einer gestrichenen Wand lässt sich einfacher ausbessern als eine angebohrte Keramikplatte. Geht es um mehrere Löcher, grosse Bohrungen oder eine feste Installation, sollten Sie die Zustimmung der Vermieterschaft vorher schriftlich einholen.
Für leichte Gegenstände kommen gegebenenfalls Klebehalterungen infrage. Klebstoff und Halter müssen für das Gewicht, die Fliesenoberfläche und die Feuchtigkeit im Raum geeignet sein. Beim Ablösen darf die Glasur nicht beschädigt werden.
Was tun, wenn die Fliese trotzdem reisst?
Stoppen Sie die Arbeit sofort. Ein kleiner Ausbruch am Rand des Bohrlochs lässt sich manchmal durch die Abdeckung der Halterung verdecken. Ein längerer Riss kann dagegen auf eine geschwächte Fliese hinweisen.
Besondere Aufmerksamkeit verlangt ein Schaden im Spritzwasser- oder Duschbereich. Durch Risse kann Feuchtigkeit hinter den Belag gelangen. Die sichtbare Fuge oder Fliese bildet allerdings nicht allein die Abdichtung; entscheidend ist der fachgerechte Aufbau dahinter. Trotzdem sollte ein grösserer Schaden geprüft und gegebenenfalls die Fliese ersetzt werden.
Video-Tipp: Richtig bohren in unterschiedliche Materialien
Die Video-Anleitung des offiziellen OBI-Kanals zeigt, wie Bohrstellen vorbereitet werden, welches Werkzeug zum jeweiligen Untergrund passt und wie sich Schäden durch falschen Druck oder eine ungeeignete Maschineneinstellung vermeiden lassen.
Fazit
Eine Fliese springt selten ohne Grund. Meist treffen ein ungeeigneter Bohrer, zu viel Druck, hohe Drehzahl oder Vibrationen auf das spröde Material. Wer vorher Leitungen sucht, den richtigen Bohrer auswählt und ohne Schlag langsam arbeitet, senkt das Risiko deutlich.
Bei harten Materialien, Hohlstellen oder grossen Bohrdurchmessern ist Zurückhaltung sinnvoll. Der Aufwand für eine Fachperson fällt häufig kleiner aus als der spätere Austausch einer beschädigten Fliese.
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